Im Herzen von Rom öffnet ein vergessenes Gebäude seine Türen für einen letzten, überraschenden Akt, bevor es verschwindet. Ein ehemaliger Nachtclub aus den 1980er Jahren in der Via Gregoriana 9, nur einen Steinwurf von der Trinità dei Monti entfernt, erwacht für einige Wochen als „lebende Ruine“ wieder zum Leben und beherbergt die Ausstellung Chi esce entra. A Tribute Exhibition to a Disappearing Building, gefördert von der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte.
Bis zum 9. November 2025 kann jeder einen Ort betreten, der eine ganze Epoche geprägt hat, bevor er völlig umgestaltet wird.
Kunst bringt ein vergessenes Gebäude in Rom wieder zum Vorschein
Es hat etwas zutiefst Menschliches, ein bröckelndes Gebäude zu sehen, das von Stimmen, Schritten und Blicken erfüllt ist. Die Via Gregoriana 9 ist einer dieser verloren geglaubten Orte: abblätternde Wände, gedämpftes Licht, Spuren einer Zeit, in der das römische Nachtleben einen anderen Rhythmus hatte.
Heute jedoch beherbergen dieselben Räume mehr als zwanzig internationale Künstler, die mit Skulpturen, Videos, Fotografien und Performances dem, was die Zeit auslöschte, wieder Bedeutung verleihen.
Es ist, als hätte das Gebäude um eine letzte Chance gebeten, seine Geschichte zu erzählen – und die Kunst hat sie gewährt.
Vom Glamour der 1980er Jahre zur Stille: das Doppelleben des ehemaligen Nachtclubs

Das 1911 als Privatgalerie des Sammlers Ludovico Spiridon gegründete Gebäude hat viele Leben gelebt: Es war eine Kunstwerkstatt, eine bürgerliche Residenz und in den 1980er Jahren der legendäre Nachtclub La Cage aux Folles, in dem das nächtliche Rom vor Musik und Freiheit sprühte.
Dann kam die Stille. Dreißig Jahre der Vernachlässigung und des Staubes, bis heute, als die Bibliotheca Hertziana es als zukünftigen Sitz eines neuen Flügels ihres Instituts wählte.
Bevor die Baustelle die Spuren der Vergangenheit für immer auslöscht, gibt die Ausstellung sie der Stadt in einer zerbrechlichen, aber authentischen Form zurück: die einer bewussten Ruine, in der das Unvollkommene zur Erinnerung wird.
Wer rauskommt, geht rein“: eine Ausstellung zur Feier des städtischen Gedächtnisses
Der Titel der Ausstellung ist eine Hommage an Vincenzo Agnettis 1971 entstandenes Werk Chi esce entra. Ein Paradoxon, das hier zum Schlüssel für die Interpretation wird: Um wiedergeboren zu werden, muss man zuerst das Ende überschreiten.
Die von Simon Würsten Marin kuratierte Ausstellung verwandelt jeden Raum in ein Fragment einer Geschichte. Die Künstler, von Louise Bourgeois bis Rachel Whiteread, von Corrado Levi bis Tarik Kiswanson, verschönern die Ruine nicht: Sie bewohnen sie, hinterfragen sie, machen sie lebendig.
Wenn man durch die Räume geht, spürt man die Überlagerung der Zeit: das Lachen, das noch nachhallt, die Musik, die zwischen den Wänden vibriert, das Echo der Schritte, die einst den Boden betraten.
Es ist eine Erfahrung, die nicht nur von der Kunst, sondern auch vom kollektiven Gedächtnis spricht.
Warum Sie es nicht verpassen sollten: ein sinnliches Erlebnis im Herzen Roms
Wer rausgeht, geht auch rein. Es ist keineAusstellung zum Besichtigen. Es ist eine Ausstellung zum Anfassen.
Denn der Raum ist der erste Protagonist, und wer ihn betritt, wird Teil von ihm.
Deshalb lohnt es sich, sie jetzt zu erleben:
- Sie ist temporär: Sie wird nur bis zum 9. November 2025 geöffnet sein.
- Sie ist ortsspezifisch: Die Werke stehen im Dialog mit Rissen, Flecken, Staub.
- Sie ist immersiv: mehr Erlebnis als Ausstellung.
- Es werden Performances und Führungen angeboten, um das Projekt zu vertiefen.
In einer Zeit, in der viel Architektur ohne Erinnerung abgerissen wird, gibt Chi esce entra dem Vergehen der Zeit seine Würde zurück und erinnert uns daran, dass auch Dinge, die zum Verschwinden bestimmt sind, einen Blick verdienen.
Von der Vergangenheit in die Zukunft: die Lektion von La Cage aux Folles
Das Gebäude in der Via Gregoriana 9 wird bald in eine neue Erweiterung der Bibliotheca Hertziana umgewandelt. Die Wände, die jetzt Installationen und Werke beherbergen, werden zu Büros, Archiven und Forschungsräumen.
Das materielle Schicksal ist bereits geschrieben, aber die Erfahrungen dieser Monate werden ihre Spuren hinterlassen.
In Rom zeigen Beispiele wie das Umgestaltungsprojekt des Polo Civico am Arco di Travertino, wie sehr die Stadt den Wert der Wiederbelebung vergessener Räume wiederentdeckt.
Praktische Informationen für den Besuch
📍 Adresse: Via Gregoriana 9, 00187 Rom
📅 Geöffnet bis 9. November 2025
💡 F reier Eintritt nach Voranmeldung (siehe die offizielle Website der Bibliotheca Hertziana)
🎭 Begleitprogramm: Aufführungen, Treffen und Führungen.