Wenn Sie in Rom spazieren gehen, haben Sie vielleicht an einigen alten Gebäuden gezeichnete oder zugemauerte Fenster gesehen. Was ist der Grund dafür? Bei den Zeichnungen könnte man an eine künstlerische Motivation denken, aber das ist nicht so…
Im 18. Jahrhundert wurde in Rom – wie in vielen anderen italienischen und europäischen Städten – eine Steuer auf Fenster eingeführt, die damals als echtes Luxusgut galten. Richtig, in jenen Jahren war es ein Privileg, in Häusern mit mehreren Fenstern zu wohnen. Diese Steuer zwang die Eigentümer zur Zahlung eines Betrags, der sich nach der Anzahl und manchmal auch der Größe der Fenster in ihren Häusern richtete. Ziel der Steuer war es, die wohlhabendsten Bürger zu treffen, die Gebäude mit vielen Lichtöffnungen besaßen. Die schwersten Häuser waren oft von der Steuer befreit oder wurden erst ab einem bestimmten Schwellenwert besteuert (z. B. ab dem sechsten Fenster).
Der Mechanismus war einfach: Je mehr Fenster ein Haus hatte, desto höher war die zu zahlende Steuer, denn Fenster garantierten Licht und Luft, Güter, die gerade als Zeichen von Reichtum interpretiert wurden. Wenn man sich den Palast des Marchese del Grillo an der Piazza del Grillo 5 (rione Monti) ansieht, fällt einem die Vielzahl der Fenster auf, von denen eines an das andere angebaut wurde, wahrscheinlich um seinen Reichtum zur Schau zu stellen.
Die Folgen der Steuer
Um die Zahlung hoher Summen zu vermeiden, beschlossen viele Eigentümer, einige der vorhandenen Fenster zuzumauern.
Wie kam es zu der „Mode“, Fenster zu zeichnen? Um die Symmetrie der Fassaden zu wahren und den ästhetischen Geschmack zu respektieren, verbreitete sich die Praxis, „falsche Fenster“ in der Trompe-l’œil-Technik (Täuschung des Auges) zu malen.
Heute gibt es die Fenstersteuer nicht mehr, aber sie ist im kollektiven Gedächtnis als Beispiel für eine „kreative“ und manchmal schädliche Steuer (weniger Licht und weniger Luft in den Wohnungen) geblieben.
Kurios: Die Geschichte dieser Steuer erklärt auch einige Besonderheiten von Altbaufassaden und hilft uns zu verstehen, warum der Fensterflügel im Italienischen auch als „Steuer“ bezeichnet wird: ein Begriff, der sich von dieser sehr speziellen Steuerabgabe ableitet.