Es gibt eine Ecke im Apennin, wo die Natur eine perfekte Kurve gezeichnet hat und so einen der fotogensten und wildesten Seen Mittelitaliens geschaffen hat. Auf 1.788 Metern Höhe, eingebettet im Naturschutzgebiet Borgorose, empfängt der Lago della Duchessa Besucher wie eine plötzliche Erscheinung zwischen Gipfeln, die über zweitausend Meter hoch sind.
Das Becken birgt ein faszinierendes geologisches Geheimnis: Es wird weder von Flüssen noch von Quellen gespeist, sondern lebt allein vom Regen und der Schneeschmelze im Winter. Aufgrund dieser Wandelbarkeit verändert der See ständig sein Gesicht: Im Sommer zeigt er sich mit sattgrünen Grasstränden, im Winter verwandelt er sich in eine märchenhafte Eisfläche.
Wandern und Natur: Wie du von Rom aus zum See kommst
Um dieses intakte Ökosystem zu schützen, darf man nicht mit dem Auto bis ans Ufer fahren – was den Ausflug zu einem echten Abenteuer macht, an das man sich gerne erinnert. Den Ausgangspunkt erreichst du nach einer Fahrt von knapp einer Stunde und fünfzehn Minuten auf der Autobahn A24 bis zum malerischen Dorf Cartore (Ausfahrt Valle del Salto). Von hier aus lässt man das Auto stehen und macht sich zu Fuß auf den berühmten CAI-Wanderweg 102, eine etwa dreistündige Panorama-Wanderung, die durch einen dichten Buchenwald und das spektakuläre Val di Fua führt, bevor sie sich zum Seebecken hin öffnet.
Zwischen Molchen und Legenden: Die Tiefe und das Ökosystem des Sees
Die Klarheit des Wassers ermöglicht es dir, einen äußerst empfindlichen und geschützten Berglebensraum aus nächster Nähe zu beobachten, in dem du zwar keine Fische, dafür aber eine äußerst seltene Amphibienfauna findest. Da es sich um einen hochgelegenen See ohne feste Zuflüsse handelt, schwankt seine Tiefe drastisch – von gut zwei Metern im Frühling bis hin zum fast vollständigen Austrocknen in den heißesten Sommermonaten. Dieses zyklische Phänomen schließt das Vorkommen von Fischen aus (die Trockenperioden oder völligen Frost nicht überleben würden), begünstigt aber die Fortpflanzung des Kammmolchs, einer kleinen Amphibie, die als Symbol für die Reinheit dieses Ortes gilt.
Sehenswürdigkeiten in Borgorose und der zeitlose Charme von Cartore
Die Reise von Rom endet nicht mit der Wanderung in den Höhenlagen, sondern bietet unverzichtbare Zwischenstopps für ein Wochenende, an dem du dich komplett vom Trubel der Stadt lösen kannst. Am Fuße des Wanderwegs empfängt dich das Dorf Cartore, ein winziges mittelalterliches Dorf mit vollständig restaurierten Steinhäuschen – perfekt, um Fotos wie aus vergangenen Zeiten zu schießen.
Die Gegend ist unter den Römern außerdem für ihre außergewöhnliche, hyperlokale gastronomische Tradition bekannt, bei der sich der Käse der Hochgebirgshirten mit der Kultur der mehrfach ausgezeichneten lokalen Craft-Brauereien verbindet.